Einblick No. 5: Lehrer von Flein und Ruth

Lehrer von Flein und Ruth, 1926, Öl auf Leinwand auf Pressplatte, 123,3 x 173,5 cm, Städtische Galerie Fähnle, Überlingen

Lehrer von Flein und Ruth, 1926, Öl auf Leinwand auf Pressplatte, 123,3 x 173,5 cm, Städtische Galerie Fähnle, Überlingen

In Flein wurde Hans Fähnle geboren und wuchs dort auf – einen besonderen Bezug zu seiner Geburtsstadt pflegte er sein Leben lang. In verschiedenen Werken Hans Fähnles taucht die Gemeinde Flein auf, so auch indirekt im Werk „Lehrer von Flein und Ruth“ von 1926. Hier ist die Familie des Künstlers zu sehen, wobei der Raum und die Figuren nicht deutlich zu erkennen sind, vielmehr scheinen sie durch die gedämpfte Farbigkeit miteinander verwoben. Das Familien-Portät des 23-jährigen Malers zeigt kaum Details, locker gesetzte Pinselstriche und Farbflächen kennzeichnen das Werk. Auf den ersten Blick bestimmt die Setzung des Lichts die Wahrnehmung des Betrachters. Das leuchtende Gewand der zentral vor dem Tisch stehenden Figur hebt sich stark vom Hintergrund ab.

Wer ist diese Person, die Fähnle in den Mittelpunkt seines Werks setzt?

Die Antwort darauf kann der Besucher in einer der Führungen erhalten, die während der Ausstellung „Hans Fähnle. Maler aus Flein“ im Rathaus regelmäßig stattfinden. Die genauen Termine sind dem Flyer des Rahmenprogramms zu entnehmen (Fähnle Begleitprogramm) – das Fähnle-Team freut sich auf interessierte Fähnle-Fans!

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Einblicke No. 2: Gladiolenfeld

Nachdem wir mit der „Stunde der Entscheidung“ Hans Fähnles expressive Malweise gezeigt haben, geht es bei Fähnles Werk „Gladiolenfeld“ (um 1960) nicht um die Verarbeitung von Kriegserlebnissen, sondern um Naturmotive, die er expressionistisch-realistisch auf die Leinwand bringt. Die Motive sucht er hier in der Natur direkt vor der Tür – und findet sie in den Gärten der Familien und den Freunden. Hans Fähnle schuf das Werk „Gladiolenfeld“ um 1960. Mit seinem farbensprühenden Ausdruck zählt dieses Werk zum Spätwerk Fähnles. Fähnle setzte sich jahrelang mit dem Impressionismus und seiner künstlerischen Intention auseinander und versuchte, neben Landschaftsmalereien der Natur durch die Blumen-Bilder einen kraftvollen und realistischen Ausdruck zu verleihen. Dennoch ist bereits in dem Werk „Gladiolenfeld“ zu erkennen, dass es nicht bei der realistisch-expressiven Malweise des Künstlers bleibt, sondern Fähnle diese verdichtet und sich damit der Abstraktion nähert.

Gladiolenfeld (um 1960), Öl auf Karton 69 x 99 Zierrahmen, Sammlung Goetze Heidelberg

Dieses Werk und weitere Blumenstillleben von Hans Fähnle sind in der Ausstellung „Hans Fähnle. Maler aus Flein“ ab dem 25. Oktober 2013 im Fleiner Rathaus zu sehen. Sie markieren eine weitere, farbenfrohe Station im Leben Fähnles. In Kontrast dazu stehen Fähnles existenzielle Erfahrungen während der NS-Zeit, die zum Beispiel im Werk „die Stunde der Entscheidung“ ihren Ausdruck finden.

Satelliten im Blick – Schauorte stellen sich vor: die evangelische Kirche Flein

Das Café DUU hat den Anfang gemacht – heute dreht sich die nächste Vorstellung eines Schauortes (Satellit) um die evangelische Kirche in Flein.

Die evangelische Kirchengemeinde in Flein hat rund 3300 Gemeindemitglieder, zwei Pfarrer leiten gemeinsam diese Gemeinde. Dazu kommen noch ca. 150 ehrenamtliche Mitarbeiter in vielen verschiedenen Bereichen. Die Kirchengemeinde setzt sich das Ziel, eine offene, warmherzige und lebendige Gemeinschaft zu sein, die sich gegenseitig im Glauben stärkt und Gottes Liebe weiter gibt.

Hoch oben und gleichzeitig mitten im Ort liegt die evangelische Kirche (St. Veit Kirche) auf dem Kirchberg und ist aus allen Himmelsrichtungen schon von Weitem zu erkennen.
Was das Besondere an Flein ist? Pfarrer Markus Schanz beschreibt Flein als einen Ort, in dem viele einmalige und liebenswerte Menschen leben, die sich sehr stark für das gemeinsame Leben engagieren. Er schätzt außerdem die überschaubare Größe des Ortes, die noch Begegnungen zwischen den Menschen zulässt.

Hans Fähnle und die evangelische Kirche in Flein passen auf verschiedenen Ebenen zusammen: der tiefe Glauben Fähnles sei auch in seinen Werken zu spüren, so Pfarrer Schanz. Die Ausstellungsbesucher können sich davon eigenständig bei einem Besuch in der Kirche überzeugen. In der Zeit der Ausstellungsdauer (25.10-15.12.2013) wird in der St. Veit-Kirche eine Kreuzigungsszene – gemalt von Hans Fähnle – zu sehen sein.

St. Veit-Kirche in Flein      

„Hans Fähnle hat beeindruckende Gemälde erschaffen und ist ein unterschätzter
Künstler in schwerer Zeit gewesen. Ich erfahre bei Gesprächen und Besuchen, dass manche älteren Fleiner ihn noch persönlich kannten.“ – Pfarrer Markus Schanz

Einblicke No. 1: Die Stunde der Entscheidung

Im wöchentlichen Wechsel mit der Reihe „Satelliten im Blick – Schauorte der Ausstellung stellen sich vor“ bieten wir Einblicke in Hans Fähnles Werk und zeigen Bilder, die gleichzeitig Teil der umfassenden Retrospektive der Ausstellung „Hans Fähnle. Maler aus Flein“ sind. Ab 25. Oktober 2013 werden diese und noch weitere Werke im Fleiner Rathaus zu sehen sein.
Das Gemälde „Die Stunde der Entscheidung“ (1946/47) ist das erste Werk und markiert den Auftakt unserer Einblicke. Es stellt den Höhepunkt  in Fähnles Schaffensphase dar und zeigt eine zentrale Frauenfigur, die sich mit ausgestreckten Handflächen zum Betrachter wendet. Die zwei Männer in grün und rot sowie der weibliche Akt erscheinen demgegenüber resigniert und in sich versunken.

"Stunde der Entscheidung" 1946/47, Öltempera auf Papier, 119,7 × 119,7 cm, Galerie Fähnle Überlingen

„Stunde der Entscheidung“
1946/47, Öltempera auf Papier, 119,7 × 119,7 cm, Galerie Fähnle Überlingen

Fähnles expressive Figurenmalerei wird mit diesem Werk besonders deutlich. Es erinnert durch die intensive Farbigkeit und die vereinfachten Formen an verschiedene Künstler, beispielsweise Nolde oder Ernst Ludwig Kirchner. Hans Fähnle erschuf dieses Werk nach dem Krieg und setzte damit seine expressive Malweise der späten 1930er-Jahre fort.